Allgemeines

HANKO-Stempel

Was im Westen die persönliche Unterschrift, ist in Japan, Korea und China der Stempel JITSU-IN und seine nicht registrierte Variante MITOME-IN, im Volksmund HANKO genannt.
Ein HANKO ist heutzutage vorwiegend maschinell hergestellt und zeichnet sich durch klare Linien ohne besonderen ästhetischen Reiz aus. In Japan kann man derlei Stempel aus Holz, Horn, Elfenbein, vor allem aber aus Kunststoff für die geläufigsten japanischen Namen in jedem Schreibwarengeschäft oder Einkaufszentrum kaufen. Die JITSU-IN und Ginko-In (Bankstempel), die besonders gegen Missbrauch geschützt werden müssen und daher von Stempelmachern hergestellt werden, sind allerdings in Handarbeit erzeugt.
Meine Stempel sind durchweg RAKKAN-IN, jedes ein handgemachtes Einzelstück.

Viereckiger Firmenstempel,runder Privatstempel (Suzuki) typisches HANKO-Schriftbild


RAKKAN-Stempel

Zur Signatur von Kunstwerken oder Urkunden wird seit jeher eine andere Form von Stempeln verwendet, die die Bezeichnung RAKKAN-IN (RAKKAN=Widmung, IN=Stempel) tragen. Diese sind erkennbar an einer lebendigeren Linienführung und dem wie verwittert erscheinenden, gebrochenen Rand. Es gibt sie in allen erdenklichen Formen, allerdings hat sich das Quadrat als Standard durchgesetzt. Auch Bildstempel sind in dieser Kategorie unterzubringen.

TORA Tiger
Chinesisches Tierkreiszeichen
UMA Pferd
Chinesisches Tierkreiszeichen
Sonja Monogramm PT

Bildstempel rund
Libelle am Bach
Ovaler Doppelstempel Yin/Yang geteilt
Das Zeichen WA (Harmonie)
in einem Ginkhoblatt

Rakkan-Stempel werden von einem Stempelkünstler von Hand gefertigt und stellen als solche bereits oft wertvolle Kunst-Objekte und Sammlerstücke dar. Schrifttyp, Form, Ausfertigung und Material sind in weiten Grenzen variierbar. So schafft der Stempelschnitzer mit Hilfe seiner künstlerischen Intuition und Erfahrung mit jedem Rakkan ein einzigartiges Kunstwerk, ein Unikat.

Namensfindung

Der Kundenname wird phonetisch in Japanisch umgesetzt und für die einzelnen Silben entsprechend lautende KANJI gesucht. Meine verantwortungsvolle Aufgabe besteht darin, aus der Vielzahl gleichlautender japanischer Zeichen diejenigen KANJI auszuwählen, die sich hinsichtlich Bedeutung und/oder Aussehen zu einer sinnvollen oder sogar poetischen Kombination ergänzen, zumindest aber den Kunden nicht vor Asiaten, die die Zeichen ja lesen können, lächerlich machen. Es muss allerdings angemerkt werden, daß eine solche Namensübertragung nur für inoffizielle/private Zwecke benutzt werden sollte. Wo es entscheidend ist, daß ein Japaner den Namen unzweifelhaft entziffern können soll, wie beispielsweise auf einem Judogürtel oder Anzug, oder einem Stempel, den man registieren lassen möchte, um ihn für offizielle Zwecke zu nutzen (Anmeldung, Hauskauf o.Ä.) muss der Name in KATAKANA umgesetzt werden.

Das Finden der passenden Zeichen


Um die Problematik beim Finden der richtigen Zeichen für die Rakkan-Stempel zu illustrieren, erlauben Sie mir einen kleinen Exkurs in die Eigenheiten der japanischen Schriftsprache:

Japanisch wird mit den ursprünglich aus China übernommenen Schriftzeichen KANJI 漢字geschrieben, wobei jedes KANJI für einen Begriff steht.

Einige Zeichen sind reine Ikonogramme oder Piktogramme, d.h. Bildzeichen, deren Bedeutung oft auch von Nichtasiaten intuitiv nachvollzogen werden kann, besonders in der archaischen Stempelschrift. (Beispiel: 山  YAMA = Berg (in der archaischen Form erkennt man noch drei Gipfel);  目 ME = Auge (um 90 Grad gedreht erkennen Sie wahrscheinlich das Auge trotz der kantigen Abstraktion).

Die meisten Kanji sind jedoch komplizierter aufgebaut; sie sind zusammengesetzt aus mehreren Teilen, die für die Bedeutung bzw. die Aussprache verantwortlich sein können (Beispiel: =  山 YAMA Berg + 石 ISHI Stein = 岩  IWA Felsen ).

Chinesisch ist zudem grammatikalisch und lautlich grundverschieden vom Japanischen. Das führte im japanischen Hochmittelalter zur Ausbildung zweier Silbenschrift-Systeme, der HIRAGANA  平仮名 und der KATAKANA 片仮名 mit jeweils 50 Zeichen und 4 Modulatoren, mit denen der gesamte japanische Lautbestand abgedeckt ist. KATAKANA wird vor allem herangezogen, wenn nichtjapanische Namen/Begriffe geschrieben werden müssen, HIRAGANA dient der Schreibung von japanischen Worten, für die es keine KANJI gibt und grammatische Satzeinheiten wie Verbflexionen und dergleichen. Beide Silbenalphabete sind von gleichlautenden KANJI abgeleitet. Wer mehr darüber wissen möchte, findet in meiner Linkliste die entsprechenden wikipedia-Einträge.

KARATE Team Achern
Hans-Peter
KANJI und KATAKANA kombiniert
AKIYO
HIRAGANA-Stempel für eine Japanerin

Korea ist recht früh einen eigenen Weg gegangen und hat eine Schriftform (HANGUL bzw. HANGEUL) gefunden, die den gesamten Lautbestand der Sprache erfasst und sehr logisch aus Elementen aufgebaut ist, die miteinander kombiniert werden. KANJI werden zwar in koreanischen Zeitungen noch immer hier und da verwendet (nur in Südkorea) , aber eher sparsam. Zudem hat sich die Schreib-/Leserichtung dem westlichen Standard angepasst und ist von links nach rechts horizontal.